Im Verlauf unseres Lebens werden wir immer wieder mit Herausforderungen und Schwierigkeiten konfrontiert. Diese können unterschiedlichster Natur sein.

Es kann sich um Entwicklungskrisen und Schwellensituationen handeln:

- um Autonomie- und Ablösungsprozesse in Bezug auf die Eltern,

- um Schwierigkeiten beim Übergang von der Schule zu Ausbildung oder Studium,

- in der Berufsfindung,

- in Fragen der sexuellen Identität und Orientierung,

- in Bezug auf Partnerschaft und Elternschaft,

- bei Trennungen, dem Auszug der Kinder,

- beim Übergang von Berufstätigkeit zur Rente etc.

Es kann sich auch um Schwierigkeiten und Krisen in Beziehung mit uns selbst oder auch mit Anderen handeln.

Jede/jeder von uns erlebt im Verlauf ihres/seines Lebens Verluste - Krankheit, Alter, Trauer, Tod sind Themen, die uns alle betreffen. Einsamkeit in unterschiedlichsten Lebensaltern ist verbreitet. Dazu kommen manchmal traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit oder Gegenwart.

Der individuelle Umgang mit diesen Lebensherausforderungen variiert - im besten Fall gelingt uns die Bewältigung, häufig entsteht jedoch auch ein Überforderungserleben, Leidensdruck verschiedener Ausprägung bis hin zur Entwicklung krankheitswertiger Symptome und psychischer Erkrankungen. Depressive Störungen, Angsterkrankungen, Burnout-Erkrankungen, narzisstische und Borderline-Störungen sowie Suchterkrankungen sind mittlerweile Volkskrankheiten geworden, die weite Teile der Bevölkerung betreffen.

Auch bei psychischen Erkrankungen besteht die Möglichkeit der Chronifizierung, zusätzlich birgt Nichtbehandlung häufig die Gefahr einer Suchtentwicklung. Dabei ist Sucht (unterschiedlichster Art) oft der Versuch, unerträgliche innere Zustände quasi im Sinne der "Selbstmedikation" zu dämpfen oder zu modifizieren. Was die Situation verschärft, weil zur ursprünglichen Notsituation nun noch eine Suchterkrankung mit ihren psychischen, körperlichen und psychosozialen Auswirkungen hinzukommt.

Somit macht es in der Regel Sinn, sich bei psychischen und psychosomatischen Problemen oder dem Empfinden innerer Not frühzeitig Unterstützung zu suchen. In einem psychotherapeutischen Erstgespräch lässt sich gemeinsam klären, ob und in welchem Umfang eine Behandlung angezeigt ist und welche Form der Psychotherapie sich eignet.

Was aber ist nun eigentlich Psychotherapie?

Psychotherapie ist eine Tätigkeit, in der es um die Behandlung von seelischen Problemen mit psychologischen Mitteln geht.

Dabei ist die Bereitschaft der Patientin/des Patienten zu Offenheit, Eigenmotivation und auch Veränderungsbereitschaft von zentraler Bedeutung. Dennoch kann es manchmal schwer fallen, über bestimmte Sorgen, Ängste, Inhalte - momentan oder auch über längere Zeit - in der Therapie zu sprechen. Als Therapeutin nehme ich diese Sorgen ernst und bedränge Sie nicht. Solche "Widerstände" erfüllen in der Regel eine Schutzfunktion und es geht in der Therapie nicht darum, Sie dieses Schutzes zu berauben. Hilfreich kann es jedoch sein, solche Schwierigkeiten anzusprechen und gemeinsam darüber nachzudenken, wofür Sie den Schutz/Widerstand benötigen. Im Therapieverlauf sollten bewusst gewordene Anteile, Traumata, Konflikte dann schrittweise psychisch integriert werden - psychische Symptome schwächen sich auf diese Weise langsam ab und psychische Stabilität kann sich verbessern.

Es gibt eine ganze Reihe von psychotherapeutischen Verfahren, deren Wirksamkeit wissenschaftlich gut untersucht und belegt ist. Ein allen Therapieverfahren gemeinsamer wichtiger Wirkfaktor ist die "therapeutische Beziehung". Ich halte es für sehr wichtig, dass prinzipiell die Chemie stimmt zwischen Patient(in) und Behandler(in), weil nur so eine tragfähige Therapiebeziehung möglich ist. Um sich auf Entwicklungs- und Veränderungsprozesse einlassen zu können, braucht es einen grundsätzlich sicheren Rahmen.

Psychotherapie bedeutet nicht, dass die Therapeutin/der Therapeut seine Meinung durchsetzt, etwas rät oder nahelegt. Ziel ist im Gegenteil, dass durch die Zusammenarbeit mit der Therapeutin/dem Therapeuten und durch eigeninitiative Arbeit an bewussten und unbewussten Konflikten eine zunehmende Fähigkeit, kompetentere und erwachsenere Entscheidungen zu treffen, erreicht wird. Damit soll die Möglichkeit, sich besser abzugrenzen, authentischer zu leben, aber auch mehr Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, erweitert werden.